Zentralbanken wieder in Bewegung

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23. Oktober 2015

Zentralbankinterventionen zu erwarten

Was ist Ihre Meinung zur Pressekonferenz im Oktober 2015 von Mario Draghi zum Thema geldpolitische Entscheidungen?

 

Alles in allem war die Pressekonferenz aus unserer Sicht sehr „dovish", d. h. alles deutet auf eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik hin. Draghi deutete an, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Maßnahmen der quantitativen Lockerung (QE) anpassen könnte, wenn sich die Ausgangsbasis für die Prognosen verschlechtern sollte. Er wies außerdem darauf hin, dass die EZB bei ihrem Ausblick Abwärtsrisiken für Wachstum und Inflation berücksichtigen müsse – hier spiegele sich insbesondere die erhöhte Unsicherheit in den Schwellenländern wider, die die Exportnachfrage belaste. Unter diesen Umständen werde der EZB-Rat nötigenfalls Maßnahmen ergreifen.
Unserer Einschätzung nach hat er die Erwartung, dass weitere Werkzeuge zum Einsatz kommen werden, erheblich geschürt.



Bio - Defend

Monica Defend

Head of Global Asset Allocation Research

Cosimo Marasciulo

Cosimo Marasciulo

Head of European Government Bonds

 

Welche gangbaren Optionen hat die EZB für die Zukunft?

 

Draghi evaluiert derzeit alle Optionen der EZB für eine Neuausrichtung des Anleihekaufprogramms. Dabei beantwortete er Fragen dazu, was in den nächsten Monaten geschehen könnte, relativ vage und behielt sich sowohl zeitliche Flexibilität als auch Flexibilität im Hinblick auf die Art der zu ergreifenden Maßnahmen vor.
Wir halten folgende Maßnahmen im Rahmen dieser Neuausrichtung für denkbar:
(i) eine Senkung des Einlagenzinses der Zentralbank (der vor über einem Jahr auf -20 Basispunkte gesenkt wurde);
(ii) eine Erhöhung von Tempo, Zusammensetzung, Dauer und Ausgestaltung der Anleihekäufe (die laut Ankündigung von Januar 2015 ein Monatsvolumen von 60 Mrd. EUR haben sollten);
(iii) die Ausweitung der QE auf Unternehmensanleihen (d. h. eine Erweiterung der am 2. Juli veröffentlichten Liste);
(iv) eine Verschiebung des Endes von QE.
Wahrscheinlich wird eine Änderung des geldpolitischen Kurses aber eine Kombination aus diesen Optionen beinhalten.

 

Denken Sie, wir werden eine neue Welle von Zentralbankinterventionen erleben?

 

Ja, wir denken, dass sich bereits eine neue Welle von Zentralbankinterventionen aufbaut; angefangen mit der Verschiebung der Zinserhöhung durch die FED über die lockere Geldpolitik der Schwellenländer und eine mögliche weitere Lockerung in Japan bis hin zur Ausweitung des Anleihekaufprogramms in der Eurozone. Erst heute hat die chinesische Zentralbank ihren Leitzins und die Mindestreserveanforderungen für die Banken gesenkt, um die Stabilisierung der Wirtschaft zu unterstützen. Dennoch dürfte die Fed bald die Zinsen anheben, wenn ihre Bedenken hinsichtlich des Exportwachstums nachlassen und das Binnenwachstum solide bleibt.

 

Erwarten Sie, dass die positive Wirkung von QE auf das globale Wachstum mit zunehmenem Einsatz abnimmt?

 

Der Nutzen von QE für das Wachstum und der Kausalzusammenhang zwischen geldpolitischen Variablen und wirtschaftlichen Ergebnissen werden immer kontrovers diskutiert. Wir können aber sagen, dass die Fähigkeit der Geldpolitik, Wachstum und Inflation zu stabilisieren, durch die lang anhaltende Phase eines Zinsniveaus nahe null eingeschränkt wurde. Außerdem glauben wir, dass die aktuellen globalen Rahmenbedingungen strukturelle Herausforderungen bergen – im Hinblick auf Produktivitätswachstum, schwierige Übergangsphasen in Schwellenländern und hohe öffentliche und private Verschuldung –, die eine breitere wirtschaftspolitische Intervention erforderlich machen. Hierzu zählen fiskalische Maßnahmen und Strukturreformen.

 

Die Marktreaktionen auf Draghis Worte waren recht stark. Erwarten Sie, dass die Zinsen noch weiter sinken werden?

 

Die Anleger hatten klar eine weniger „ereignisreiche" Pressekonferenz erwartet, doch Draghis Kommunikationstaktiken sind, wie wir bereits in der Vergangenheit gesehen haben, sehr wirkungsvoll, denn sie bereiten die Märkte auf den ganz großen Schritt vor. Die Zinsen legten entlang der Kurve zu, die Spreads in den Peripheriemärkten verengten sich, und inflationsgebundene Anleihen zeigten eine kräftige Performance. Der Euro schwächte sich gegenüber dem US-Dollar um ca. 2 % ab, als Draghi ankündigte, man werde auf der Sitzung am 3. Dezember die geldpolitischen Maßnahmen überprüfen. Wir erwarten, dass vor dem Hintergrund der asynchronen Geldpolitik von Fed, EZB und BoJ der US-Dollar weiter zulegen wird. Die Breakeven-Inflationsrate in der Eurozone ist von ihrem Zielwert von knapp 2 % noch weit entfernt, so dass inflationsgebundene Anleihen noch Aufwärtspotenzial gegenüber nominal verzinsten Titeln haben könnten. Aus der Perspektive von auf Euro lautenden fest verzinslichen Anleihen sehen wir nach der Spread-Erweiterung Potenzial bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen, denn der Markt könnte beginnen, die Möglichkeit einer quantitativen Lockerung im Unternehmensanleihensegment einzupreisen. Aus Multi-Asset-Perspektive könnte eine neue Welle von Zentralbankmaßnahmen kurzfristig Risk Assets Auftrieb geben. Aber wie oben und in anderen Veröffentlichungen bereits erwähnt, sind die Gefahr eines ungleichmäßigen und fragilen globalen Aufschwungs sowie die zahlreichen geopolitischen Risiken noch immer vorhanden. Daher halten wir ein gewisses Maß an Schutz für sinnvoll, bevor womöglich die Volatilität zunimmt.

Alle Angaben – soweit nicht anders angegeben – Stand 23.10.2015. Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageberatung oder Finanzanalyse dar. Die Fonds von Pioneer Investments erhalten Sie bei Banken, Versicherungen und Anlageberatern. Der Verkaufsprospekt und die wesentlichen Anlegerinformationen, die für den Anteilserwerb allein maßgeblich sind, sind als Druckstücke kostenlos erhältlich in Deutschland bei der Pioneer Investments Kapitalanlagegesellschaft mbH, Arnulfstr. 124–126, 80636 München. Die in der Vergangenheit erzielten Erfolge sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung einer Anlage. Soweit nicht anders angegeben, beruhen die in diesem Dokument enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Pioneer Investments. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Investitionen beinhalten gewisse Risiken, darunter politische und währungsbedingte Risiken. Die Rendite und der Wert der zugrunde liegenden Anlage sind Schwankungen unterworfen. Dies kann zum vollständigen Verlust des investierten Kapitals führen. Bitte lesen Sie den Verkaufsprospekt aufmerksam, bevor Sie investieren. Dieser enthält auch weitere Risikohinweise. Dieses Dokument ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt dieses Dokument kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Pioneer Investments ist ein Markenname der Unternehmensgruppe Pioneer Global Asset Management S.p.A.

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