Sieben Überlegungen zur EZB-Entscheidung

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10. März 2016

„Super Mario“ lieferte deutlich mehr, als die Märkte erwartet hatten. Die alte Börsenweisheit „Don’t fight the Fed“ könnte von nun an „Don’t fight Mario“ lauten.


1. EZB-Präsident Mario Draghi kann die Märkte immer noch überraschen. Nach der Enttäuschung über die Dezember-Sitzung dachten viele Kommentatoren, dass es für Draghi schwierig sein würde, die Erwartungen der Finanzmärkte zu erfüllen. Doch „Super Mario“ lieferte deutlich mehr, als die Märkte erwartet hatten. Die alte Börsenweisheit „Don’t fight the Fed“ könnte von nun an „Don’t fight Mario“ lauten.

 

2. Die EZB verzichtete auf eine Staffelung des Einlagensatzes für Banken, wie sie jüngst in Japan eingeführt wurde. Auch wenn die Märkte darüber nicht allzu besorgt zu sein scheinen, könnte dies als eine Belastung für die Erträge der Banken gesehen werden. Draghi erklärte dazu in der Pressekonferenz, man habe eine solche Maßnahme zwar im EZB-Rat diskutiert, diese aber letztlich derzeit nicht für nötig erachtet.

 

3. Dafür dürften sich die vier neuen längerfristigen Kreditlinien (Targeted Long-Term Refinancing Operations, TLTRO) zu Zinsen, die unter bestimmten Bedingungen auf dem Niveau des Einlagensatz liegen können, positiv auf den Banksektor auswirken. Die TLTRO ist die eigentliche Überraschung des heute angekündigten Pakets.

 

4. Die EZB gab neue Stabsprognosen für das Wachstum bekannt: Für 2016 wird ein Wachstum von 1,4% erwartet, für 2017 und 2018 liegt die Prognose jeweils bei 1,7% und 1,8%. Auch die Inflationsprognose wurde geändert und liegt nun bei 0,1 Prozent für 2016, 1,3% für 2017 und 1,6% für 2018. Im Gegensatz dazu erwartet der Markt für 2017 eine deutlich niedrigere Inflation von 0,6%. Behält der Markt Recht, erreicht die EZB ihr Inflationsziel nicht und muss weitere Maßnahmen zur Lockerung der Geldpolitik ergreifen. Liegt hingegen die EZB richtig, erscheint das aktuelle Breakeven-Inflationsniveau attraktiv.

 

5. Die Reaktion des Euro ist interessant. Es scheint, als seien die Devisenmärkte stärker beeindruckt von Draghis Aussage, dass sich die Zinsen aktuell an der Untergrenze befinden, als von seiner Aussage, dass die Zinsen über einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben würden. Wir vermuten, dass Draghi den Spekulationen über weitere Zinssenkungen Einhalt gebieten wollte. Der Markt dürfte jedoch zwangläufig über weitere Lockerungsmaßnahmen spekulieren, wenn die Inflation nicht auf das von der EZB prognostizierte Niveau steigt.

 

6. Der klare Gewinner war heute der europäische Markt für Unternehmensanleihen. Wir kennen noch nicht den monatlichen Umfang der Aufkäufe; es wird jedoch spekuliert, dass sie im Bereich von fünf Milliarden Euro pro Monat liegen werden. Dies dürfte eine starke Unterstützung für das aktuelle Spread-Niveau von Unternehmensanleihen sein und für deren Outperformance gegenüber Staatsanleihen sorgen.

 

7. Die heutige Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar bedeutet eine Lockerung der finanziellen Rahmenbedingungen für die USA. Dies könnte die Fed dazu ermutigen, die Zinsen auf ihrer Sitzung im Juni zu erhöhen. Nicht jedoch auf ihrer Sitzung im März, denn die Märkte haben keine Zinserhöhung im März eingepreist und eine überraschende Erhöhung könnte zu erheblicher Volatilität führen.

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