Fed bleibt in Wartestellung

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18. September 2015

Fed bleibt in Wartestellung: Was bedeutet das für Investoren?



Was zeigt uns die Entscheidung der amerikanischen Notenbank, die Leitzinsenunverändert zu halten?

Die Entscheidung war schwierig: Sollte man abwarten, aber bekräftigen, dass man auf dem Weg zur Normalisierung bleiben wird? Oder den Schritt tun und eine gemäßigte Prognose abgeben? Die Fed hat sich für das Abwarten entschieden und gleichzeitig eine gemäßigte Prognose abgegeben, dazu aber auf der Pressekonferenz eine ausführlichere Erklärung geliefert. Insbesondere hieß es, man reagiere nicht auf die Marktturbulenzen, sondern berücksichtige vielmehr die jüngsten weltweiten Ereignisse. Daher sehe man aufgrund des fortgesetzten Preisverfalls auf den Rohstoffmärkten und des steigenden USD verstärkte Abwärtsrisiken für den Inflationsausblick. Doch sobald der Offenmarktausschuss davon überzeugt sei, dass die Inflation sich wieder auf den Zielwert zubewege, wolle er mit der Straffung der Geldpolitik beginnen. Keinen Zweifel gebe es an der Stärke der Wirtschaft und insbesondere an der Binnennachfrage, auch wenn die Entwicklungen außerhalb der USA die Konjunktur etwas bremsen könnten (aber wie zuletzt auch aus der Bank of England verlautete, wäre dieser Effekt nicht so stark, dass die Zentralbank ihren Ausblick revidieren müsste). Die Abwärtsrisiken für die Inflation und vor allem für die Gesamtinflation sprächen jedoch nach Aussage der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen dafür, noch abzuwarten. 

 

Wie wird sich Ihrer Einschätzung nach die Fed weiter verhalten?

Die Fed hat sich entschieden, abzuwarten, aber die Aussicht auf eine Normalisierung bekräftigt. Tatsächlich erwarten die Ausschussmitglieder eine niedrigere Gesamtinflation und gehen nun von einer etwas langsameren Zinsentwicklung aus (die berühmten „Dots“ zeigen, dass alle Mitglieder die langfristigen Zinsen bei 3 % bis 4 % sehen. Im Juni lagen die Schätzungen noch bei  3,25 % bis 4,25 %). Dennoch rechnen 13 von 17 Mitgliedern mit einer ersten Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Yellen stellte auch klar, dass auf der Sitzung am 27.-28. Oktober durchaus die Entscheidung für die Zinserhöhung fallen könnte, auch wenn nach dieser Sitzung keine Pressekonferenz vorgesehen ist. Unter welchen Bedingungen? Laut Yellen wäre eine weitere Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt die beste Möglichkeit, den Ausschuss davon zu überzeugen, dass sich die Inflation auf die Zielmarke zubewegt. Die Tatsache, dass die durchschnittliche Arbeitslosenquote für 2016-2017 auf 4,8 % und die langfristige Quote auf 4,9 % geschätzt wird, macht deutlich, dass diese Verbesserungen einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote beinhalten könnten, einen leichten Anstieg der Erwerbsquote oder einen Rückgang der Unterbeschäftigungsquote (U6) – insbesondere in der Kategorie derer, die aus wirtschaftlichen Gründen nur einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen.

 

Rechnen Sie damit, dass dieser Schritt die Haltung der anderen Zentralbanken beeinflussen wird?

Die Marktreaktionen nach Bekanntwerden der Details und nach der Pressekonferenz, auf der im Wesentlichen die Aussicht auf eine Zinserhöhung bekräftigt wurde, waren uneinheitlich, und die weiteren Reaktionen sind schwer vorherzusagen. Die geldpolitischen Unterschiede zwischen den USA und anderen Ländern (sprich Japan und Eurozone) bleiben bestehen. Somit hat sich das Bild  nicht wesentlich verändert.

 

Sehen Sie Auswirkungen auf die Schwellenländer?

Für Länder, die über Staats- und Unternehmensschulden stärker vom USD abhängig sind, verbessert sich der Ausblick, wenn sie etwas mehr Zeit erhalten, bevor die Fed die Zinsschraube anzieht, und wenn die Zinsentwicklung etwas gemächlicher vonstattengeht. Das ist aber aus unserer Sicht keine wesentliche Veränderung.

 

Welches sind aus Multi-Asset-Perspektive die wichtigsten Konsequenzen für die Geldanlage?

Auf der Pressekonferenz wurde u. a. die Frage gestellt, ob die Fed möglicherweise für alle Zeiten in der Nullzinsfalle gefangen bleiben könnte. Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen bemühte sich, diese Möglichkeit gänzlich auszuschließen. Dabei wies sie darauf hin, dass bei einer Rückkehr zu einer Inflationsrate von 2 % nicht ausgeschlossen wäre, dass diese 2 % schließlich überschritten würden, und dass es durchaus wahrscheinlich sei, dass die Inflation zu irgendeinem Zeitpunkt anziehen  werde. Wir haben also einen klaren Hinweis, dass die Fed es vorziehen wird, auf der sicheren Seite zu bleiben. Und das ist aus unserer Sicht eine schöne Bestätigung, dass sich Risikobereitschaft auszahlen wird. Allerdings sind die Ursachen für die jüngsten Marktturbulenzen nicht vom Tisch: Die Turbulenzen in den Schwellenländern, Zweifel an der Effektivität der Wirtschaftspolitik mehr als sieben Jahre nach dem Ausbruch der großen Finanzkrise und die Abschwächung der Produktivitätstrends in den Industrieländern. Sollte sich die Einschätzung der Fed als richtig erweisen, so könne eine sanfte und vorsichtige Normalisierung positive Rahmenbedingungen schaffen. Aber klar ist das momentan noch nicht, und deshalb ziehen wir es vor, unseren vorsichtigen Ansatz bei Risk Assets  beizubehalten.

 

Welche Auswirkungen wird Ihrer Meinung nach die Entscheidung der Fed auf den europäischen Fixed-Income-Sektor haben?

Aus unserer Sicht waren die Aussagen nach der Sitzung und die Zinsprognose der Fed (also die sogenannten „Dots“) ebenso wichtig für die Märkte wie die  Entscheidung an sich. Generell wird der Zinsentscheid der Fed die europäischen  Fixed-Income-Märkte weniger beeinflussen als die US-amerikanischen, aber  angesichts der Korrelation zwischen diesen beiden Märkten gehen wir davon aus,  dass die europäischen Fixed-Income-Märkte dem Beispiel der USA folgen werden,  aber mit geringeren Auswirkungen.

 

Erwarten Sie, dass sich die jüngste Ausweitung der Credit-Spreads fortsetzen wird?

Wir sind momentan vorsichtig optimistisch im Hinblick auf die europäischen Credit Spreads. In Europa hatten sich die Spreads im Sommer ausgeweitet. Die  Ursachen dafür waren die Griechenlandkrise, eine mögliche Zinserhöhung in den USA, ein Überangebot und ein sehr hohes Niveau an Long-Positionen. Aber der  Kreditzyklus ist in Europa noch immer günstig, es gibt weniger Fusionen und Übernahmen als in den USA, die Bewertungen sind niedriger, und die Anleger sind nach wie vor auf der Suche nach höher rentierlichen, hochwertigen Produkten. Deshalb gehen wir davon aus, dass sich die Credit Spreads in Europa auf dem aktuellen Niveau stabilisieren werden.

Alle Angaben – soweit nicht anders angegeben – Stand 18.09.2015. Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageberatung oder Finanzanalyse dar. Die Fonds von Pioneer Investments erhalten Sie bei Banken, Versicherungen und Anlageberatern. Der Verkaufsprospekt und die wesentlichen Anlegerinformationen, die für den Anteilserwerb allein maßgeblich sind, sind als Druckstücke kostenlos erhältlich in Deutschland bei der Pioneer Investments Kapitalanlagegesellschaft mbH, Arnulfstr. 124–126, 80636 München. Die in der Vergangenheit erzielten Erfolge sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung einer Anlage. Soweit nicht anders angegeben, beruhen die in diesem Dokument enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Pioneer Investments. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Investitionen beinhalten gewisse Risiken, darunter politische und währungsbedingte Risiken. Die Rendite und der Wert der zugrunde liegenden Anlage sind Schwankungen unterworfen. Dies kann zum vollständigen Verlust des investierten Kapitals führen. Bitte lesen Sie den Verkaufsprospekt aufmerksam, bevor Sie investieren. Dieser enthält auch weitere Risikohinweise. Dieses Dokument ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt dieses Dokument kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Pioneer Investments ist ein Markenname der Unternehmensgruppe Pioneer Global Asset Management S.p.A.

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