Rückkehr der Inflation: fünf treibende Kräfte

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3. März 2017

Rückkehr der Inflation: fünf treibende Kräfte

Jahrelang beherrschten trotz massiver geldpolitischer Unterstützung der Notenbanken Deflationsängste die Industrienationen. Die Ankündigung der USA, starke expansive Impulse zu setzen, hat die Erwartung genährt, dass die Inflation auch global wieder in Schwung kommt.


Monica Defend, Head of Global Asset Allocation Research
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Für 2017 sehen wir vor allem in den USA starke inflationäre Kräfte am Wirken. Das Gleiche gilt für Großbritannien, wo eine schwächere Währung zunehmend die Importpreise steigen lässt. In Japan und der Eurozone dürfte das Inflationsniveau noch eine Weile unter den Zielen der Notenbanken liegen – doch insgesamt zeichnet sich eine Trendwende zur Reflation ab, die wir als Basis-Szenario für 2017 ansehen.

 

Wir glauben aber nicht, dass dies zu einer strukturellen hohen globalen Inflation führen wird, wie wir sie in den 1980er und 1990er Jahren gesehen haben. Dennoch sollten Investoren ihre Portfolios gegen dieses neue Marktszenario absichern und insbesondere die folgenden fünf Haupttreiber der „Rückkehr der Inflation“ beachten:

 

1. Steigende US-Löhne und -Gehälter

 

Historisch gibt es eine negative Korrelation zwischen Lohnzuwachs und Arbeitslosenquote. Die so genannte Phillips-Kurve zeigt, dass die Löhne steigen, wenn die Arbeitslosenquote abnimmt und umgekehrt. Wir glauben, dass der Lohnzuwachs in den USA an Fahrt aufnimmt und sich dies weiterhin in der Arbeitslosenstatistik niederschlagen wird – schon heute gilt der Arbeitsmarkt in vielen Branchen als sehr „eng“. Dieser Trend wird verstärkt durch die zu erwartende Erholung der Konjunktur, die durch die von Trump angekündigte Steuerrepatriierung und Infrastrukturinvestitionen unterstützt werden dürfte. Die Inflationierung der Löhne sollte dann auch die Notenbankpolitik der Fed beeinflussen und die Geschwindigkeit der Zinsanpassung erhöhen.

 

2. Anstieg der Rohstoffpreise

 

Der jüngste Preissprung des Rohöls unterfüttert inflationäre Tendenzen auch für den Bereich Energie. Wir glauben, dass dieser Aufwärtstrend nachhaltig sein wird und die Ölnachfrage in den Industrieländern stärker wird.

 

3. Expansivere Fiskalpolitik

 

Die Auswirkungen der Fiskalpolitik auf die Wirtschaft sind vielfältig und kompliziert. Generell verbindet man mit einer fiskalpolitischen Ausweitung positive Effekte auf Nachfrage, Lohnentwicklung, Beschäftigung und Wachstum, während Inflation und Schuldenstand ansteigen. Wir gehen davon aus, dass es möglich sein wird, die Wachstumseffekte zu nutzen, ohne die negativen Effekte ausufern zu lassen. In unserem Basisszenario gibt es im Jahresverlauf 2017 eine Umorientierung weg von der Geldpolitik hin zur Fiskalpolitik. Besonders stark dürfte diese Umstellung in den USA ausfallen, wo Steuerreformen zwischen 0,2% und 0,5% zum BIP-Wachstum beitragen könnten. Weniger stark dürften sich die Umstellung und entsprechend die Auswirkungen in Europa und Japan bemerkbar machen.

 

4. Stärkere Inflation im Dienstleistungssektor

 

Analysiert man den Beitrag, den einzelne Inflationskomponenten zum Anstieg leisten, sticht insbesondere der Dienstleistungssektor heraus: In den USA stieg der Beitrag des Faktors in den vergangenen Jahren an, momentan stellt er den Löwenanteil der Inflationsrate. Auch in der Eurozone war der Dienstleistungssektor in den Jahren 2015 und 2016 der einzige Faktor mit nennenswerter Inflation. Das ist deshalb bemerkenswert, weil dieser Sektor hauptsächlich von inneren Faktoren der jeweiligen Volkswirtschaft abhängt und sich weitgehend unabhängig von externen Einflüssen – etwa Rohstoffpreisen – zeigt. Innerhalb des Sektors dominieren in den USA die Gesundheits- sowie die Mietkosten. Für beide gilt zudem ein weiterer Anstieg als wahrscheinlich, was die Gesamtinflation anheben dürfte.

 

5. Einmal Globalisierung und zurück

 

In den letzten zwanzig Jahren hielt die Globalisierung – verstanden als Öffnung des weltweiten Handels und des Aufstiegs Chinas und der Schwellenländer – den Preis von Handelswaren und Löhnen international auf niedrigem Niveau. Doch in den letzten drei Jahren nahm der globale Handel wieder ab, zugleich stieg weltweit die Zahl protektionistischer Maßnahmen – die für gewöhnlich einen Anstieg der Inflation begünstigen. Trumps Ankündigung, einen harten protektionistischen Kurs zu fahren und Handelsabkommen auszusetzen, dürfte diese Entwicklung für die nahe Zukunft unterstützen. Deshalb sehen wir das Potenzial für ein Fortschreiten der Globalisierung momentan als sehr begrenzt an.

Wichtige Informationen

 

Sofern nicht anders angegeben, beruhen die dargestellten Informationen auf Recherchen und Berechnungen von Amundi Asset Management per 15.02.2017.

 

Sofern nicht anders angegeben, stammen alle hier geäußerten Meinungen von Amundi Asset Management und können sich ohne Vorankündigung ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Investitionen beinhalten gewisse Risiken, darunter politische und währungsbedingte Risiken. Die Rendite und der Wert der zugrunde liegenden Anlagen sind Schwankungen unterworfen. Dies kann zum vollständigen Verlust des investierten Kapitals führen.

 

Diese Publikation beurteilt das Marktumfeld zu einem bestimmten Zeitpunkt und soll nicht als Prognose künftiger Ereignisse oder als Garantie künftiger Ergebnisse betrachtet werden. Die Leser sollten diese Informationen nicht als Research-Analyse, Anlageberatung oder Empfehlung spezifischer Fonds bzw. Wertpapiere erachten. Die Einschätzungen dienen allein der Veranschaulichung und Aufklärung und sind Änderungen unterworfen. Diese Informationen repräsentieren nicht die tatsächlichen aktuellen, früheren oder künftigen Bestände bzw. Portfolios von Amundi Asset Management Produkten.

 

Dieses Dokument stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen an einem Investmentfonds oder einer Dienstleistung dar.

 

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