US Präsidentenwahl - eine erste Stellungnahme

9. November 2016

US-Präsidentenwahl – eine erste Stellungnahme

Donald Trump hat die US-Präsidentenwahl 2016 entgegen den Umfragen und Markterwartungen gewonnen, und wird nun der 45. US-Präsident. Zusätzlich haben die Republikaner die Kontrolle über den Senat erneut erlangt – ein Ergebnis, das höchst unsicher war – genauso wie über das Repräsentantenhaus, was eher erwartet wurde. Dies lässt erwarten, dass die Situation in Washington künftig weniger festgefahren sein wird.
 
Das hochvolatile Umfeld an den Kapitalmärkten, das die Zeit nahe vor den Wahlen kennzeichnete, ebenso wie die anfängliche Reaktion der Märkte in Asien und Europa vor Öffnung der US-Börsen, unterstreichen die Notwendigkeit eines starken Risikomanagements, um die Vermögenswerte der Kunden zu erhalten. Gleichzeitig können sich aber auch interessante Investmentgelegenheiten für aktive Asset-Manager ergeben, angesichts eines denkbaren breiten und undifferenzierten Ausverkaufs.
 
Monica Defend, Head of Global Asset Allocation Research, gibt eine erste Einschätzung zum Ausgang der US-Wahl und den möglichen Auswirkungen auf Wirtschaft und Finanzmärkte.



Wie beurteilen Sie das Wahlergebnis?

Donald Trump hat die Wahl für sich entschieden. Es gibt eine ganze Menge Unsicherheit über seine voraussichtliche Politik, weil der Wahlkampf arm an tiefer politischer Diskussion war, und reich an Giftigkeit. Unvorhersehbarkeit und Änderungen erwecken Befürchtungen bei den meisten Marktteilnehmern, wie die Reaktion an den Märkten auf der ganzen Welt unmittelbar nach dem Wahlergebnis klar gezeigt hat. Insbesondere gibt es Ängste, dass Trump einen Handelskrieg gegen China beginnen könnte, oder dass er Firmen mit Steuerstrafen belegen könnte, die ihre Geschäftstätigkeiten nach außerhalb der USA verlegen. Dennoch erwarten wir, dass eine gewisse Mäßigung seitens der Republikanischen Partei seine Möglichkeiten teilweise einschränken könnte, viele seiner kontroversen Initiativen durchzusetzen. Dazu zählt u.a. die Einführung von Zöllen, die Ablehnungen sämtlicher Handelsabkommen, und der Rückzug aus den NATO-Verpflichtungen. Das würde helfen, die lange US-Tradition einer moderaten und wirtschaftsfreundlichen Politik aufrechtzuerhalten. Dennoch ist es nicht von Bedeutung, dass Clinton ebenfalls angekündigt hatte, dass sie weniger für freien Handel wäre als Präsident Obama, ebenso dass sie hart sein würde gegenüber Steuerflucht-Strategien von US-Unternehmen.

 

 

Wie schätzen Sie den Einfluss des Wahlergebnisses auf die US-Wirtschaft ein?

Trumps Sieg könnte einen erheblichen Einfluss auf das gesamtwirtschaftliche Szenario haben, abhängig davon, welche Vorschläge er durchsetzen kann, und ob der Republikanische Kongress moderatere Ergebnisse mit sich brächte, als diejenigen, die in Trumps Rhetorik vorgeschlagen wurden. Während ein Teil von Trumps Programm (wie Steueränderungen, eine vollständige Reform der Immigration und der Infrastrukturausgaben) eine Bestätigung durch den Kongress erfordert, könnte die Einführung von Zöllen und eines extremen Protektionismus schnell durchgesetzt werden, und hätte sofortige Auswirkungen auf Handelsbilanzen und auf das Vertrauen. Die von Trump angekündigten massiven Infrastrukturausgaben, die Möglichkeiten für steuerliche Anreize und die Erwartungen einer Änderung in der Fed-Führung dürften vermutlich inflationär sein. Angesichts Trumps kritischer Äußerungen zur Fed kann man davon ausgehen, dass er eine Änderung in der Fed-Führung anstrebt, sobald Yellens Mandat im Januar 2018 endet.

 

 

Was sind die Auswirkungen auf die Finanzmärkte?

Wie erwartet, ist die Volatilität in den Tagen vor der Wahl angestiegen. Die Märkte schalteten um von einem „Risk-off“-Modus zu einer euphorischeren Haltung, als es so aussah, als könnte Clinton ihren Vorsprung halten. Die Marktstimmung drehte mehrere Male.

 

Dies belastete Aktien, aber auch die Emerging Markets-Währungen, allen voran den Mexikanischen Peso, der die Umfrageentwicklung besonders genau nachzeichnete und verlor, wenn das Rennen enger wurde. Wir glauben, dass nun eine „Risk-off“-Phase einsetzt, bis klar sichtbar wird, welche Politik die Regierung Trump verfolgt. Die Entwicklung der Renditen wurde in den letzten Wochen von der Erwartung, dass die Fed im Dezember die Zinsen anhebt, und der erwarteten Rückkehr der Inflation bestimmt. Kurzfristig könnte der Markt nun erwarten, dass die Zinserhöhung später kommt, sofern es zu Unruhe auf den Aktienmärkten kommt. Insgesamt erwarten wir einen Anstieg der Zinsvolatilität. Bei den Emerging Markets erwarten wir, dass es auf den exportorientierten Märkten zu Verkäufen kommt, besonders in Mexiko, China und den asiatischen Ländern. Dort dürfte ein deutlicher Abverkauf auf den Renten- und Aktienmärkten einsetzen. Russische Bonds dürften aufgrund der positiven Beziehung Trumps zu Putin insgesamt steigen. Insgesamt erwarten wir, dass sich die Spreads des Emerging Markets Bond-Index ausweiten und sich 50 bis 70 Basispunkte höher als zur Zeit einpendeln. Wir sehen auch, dass die höher rentierlichen Märkte am stärksten belastet sein werden; es dürfte zu einer Unterperformance gegenüber niedriger rentierlichen Märkten kommen. Eine aktive Titelauswahl wird daher für das Management der aktuellen Marktvolatilität von großer Bedeutung sein.

 

 

Was bedeutet das Ergebnis für die US-Märkte?

Wir denken, dass Trumps politische Agenda, in dem Maße, wie man sie in die Zukunft projizieren kann, negativ für ertragsorientierte Investments sein wird, und zu einer steileren Renditekurve führen dürfte. Die Kombination aus größeren Konjunkturprogrammen und steigenden Schulden dürfte den Aufwärtsdruck auf die Renditen von US-Staatsanleihen erhöhen. Als Antwort darauf könnte die Fed einen schnelleren Straffungskurs einschlagen. Die Aktienmärkte haben zunächst heftig reagiert und die Volatilität dürfte weiterhin hoch bleiben. Dennoch glauben wir, dass die langfristige Entwicklung von den Unternehmensgewinnen bestimmt wird und weniger davon, wer Präsident ist. Unter Branchengesichtspunkten dürfte ein Trump-Sieg günstig für Pharma-, Finanz-, Infrastruktur-, Rüstungs-, Kohle- und Energieunternehmen sein. Stark exportabhängige Unternehmen könnten deutlich belastet werden.

 

An den Währungsmärkten wird die Volatilität vermutlich hoch sein. Historisch gesehen, ist eine protektionistische Marktstimmung sehr negativ für den US-Dollar, weil Kapitalzuflüsse aus dem Ausland rückläufig tendieren. Trumps Ablehnung des NAFTA-Vertrags wird negative Effekte hauptsächlich auf den Mexikanischen Peso und den Kanadischen Dollar haben. Auf der anderen Seite könnten „Safe-Haven“-Währungen wie Euro, Yen und Schweizer Franken eine Rally erfahren.

 

 

Welche Auswirkungen hat die US-Wahl Ihrer Meinung nach auf das globale, makroökonomische Szenario und die geopolitischen Risiken?

Wir erwarten durch den Sieg von Donald Trump einen Anstieg des Populismus und die Ausbreitung des Nationalismus. Die Lösung dieser globalen Herausforderungen dürfte nicht einfach werden und spiegelt sich auch in der großen Unsicherheit der europäischen Politik wider. Das italienische Verfassungsreferendum im Dezember ist das nächste wichtige Ereignis. Starke Spaltungen innerhalb der Partei von Premierminister Renzi und die Ausbreitung von Anti-Establishment-Haltungen könnten die "Nein"-Kampagne unterstützen, die möglicherweise die Stabilität der derzeitigen Regierung untergräbt und ihre Reformagenda verlangsamt.

 

Die Unsicherheit in Zusammenhang mit dem Brexit wird weiter verlängert, nachdem eine hohe Gerichtsentscheidung die Zustimmung des britischen Parlaments erfordert, um die zweijährigen Brexit-Verhandlungen zu starten. Dies dürfte die britische Regierung schwächen und Neuwahlen können zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt gehen wir davon aus, dass die geopolitischen Risiken sehr hoch und breit gefächert sind.

 

 

Was sind die Auswirkungen für Multi Asset-Investoren?

Vor der US-Wahl haben wir an unserer vorsichtigen Einschätzung hinsichtlich sogenannter Risky Assets festgehalten. Im Vorfeld der Wahl haben wir angesichts der steigenden Möglichkeit eines Trump-Sieges unsere kurzfristige Einschätzung für Schwellenländer (Emerging Markets) überprüft. Dies resultiert nicht auf Basis eines strukturellen Wandels, da wir die Emerging Markets weiter mittelfristig begünstigen, viel mehr wollen wir damit kurzfristig die Vermögenswerte unserer Anleger schützen. Anlagen in den Emerging Markets würden mittelfristig weiter attraktiv bleiben, sofern wir weiter in einem Freihandelsumfeld bleiben. Wenn sich die USA stattdessen aber protektionistisch verhalten, könnte dies das Wachstumspotenzial von Regionen wie China (die stark von der Globalisierung profitieren) gefährden. Wir werden die handelspolitische Haltung der neuen Regierung überwachen, um unsere Einschätzung bezüglich der EM-Vermögenswerte zu überprüfen.

 

Auch vor dem Hintergrund der anhaltenden politischen Unsicherheit in Europa erwarten wir, dass Gold eine wesentliche strukturelle Absicherung gegen potenzielle Volatilitätsspitzen darstellen könnte. Wir gehen weiterhin davon aus, dass in den kommenden Monaten der Fokus auf aktives Management, Qualität der Vermögenswerte und Begrenzung von Abwärtsrisiken entscheidend sein wird.

 

 

 

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